Steiermark: Wie falsche Geldangebote und erfundene Notlagen vier Frauen trafen

Für eine 27-jährige Oststeirerin begann es Ende Juli mit einer Instagram-Werbung. Das Angebot versprach Erträge aus vermeintlichen Investments und Verdienstmöglichkeiten durch das Liken von Beiträgen. Vorher sollte sie allerdings selbst Geld überweisen. Eine 65-jährige Grazerin erhielt dagegen auf Facebook eine Freundschaftsanfrage: Ein angeblicher Militärarzt im Jemen bat später um Geld für seine Rückkehr nach Österreich und die Behandlung seines kranken Sohnes.

Die Oststeirerin überwies mehr als 6.000 Euro und erhielt 238 Euro als Bonus. Als sie auf ihr eingesetztes Geld nicht mehr zugreifen konnte, verständigte sie die Polizei. Die 65-Jährige verschickte über Monate insgesamt 237.000 Euro Bargeld nach Wien und Italien. Eine weitere Grazerin, 74 Jahre alt, verlor durch einen angeblichen Finanzexperten mehr als 173.000 Euro; auch sie hatte zwischendurch einen Bonus erhalten. Der Bericht erinnert außerdem an eine 50-jährige Obersteirerin, die durch einen falschen Piloten und vorgetäuschte Zuneigung rund 77.000 Euro verlor.

Für die Prävention zeigen diese Fälle, wie gezielt Vertrauen aufgebaut wird. Kleine Auszahlungen sind kein Beleg für die Seriosität eines Angebots. Ein typisches Warnsignal sind Vorauszahlungen, die angebliche Verdienstmöglichkeiten erst freischalten sollen. Auch persönliche Notgeschichten können Teil einer Täuschung sein. Bei der 65-Jährigen löste eine weitere Geldforderung im Namen der UNO Misstrauen aus – sie erstattete Anzeige.

Porträt Dr. Stephan Mauracher

Dr. Stephan Mauracher von crypto-schaden.at meint dazu:

„Die Fälle zeigen verschiedene Formen gezielter Vertrauenstäuschung: vorgetäuschte Investments, bezahlte Online-Aufgaben mit Vorauszahlungen sowie falsche Identitäten und erfundene Notlagen. Besonders deutlich wird das Betrugsmuster bei den verlangten Vorabüberweisungen für angeblich bezahlte Likes und dem später verweigerten Zugriff auf das eingesetzte Geld; die kleinen Bonuszahlungen dienten dem Vertrauensaufbau und belegten keine Seriosität. Forensisch sind die Empfängerkonten, Zahlungszeitpunkte und Bargeld-Empfangsadressen entscheidende Ansatzpunkte für die Nachverfolgung, während Kryptotransaktionen in diesen Fällen nicht dokumentiert sind. Betroffene sollten weitere Zahlungen stoppen, den Kontakt abbrechen, Chats, Zahlungsbelege und Versandnachweise sichern sowie ihre Bank und die Polizei verständigen; ergänzend kann der Fall bei crypto-schaden.at zur Prüfung der verfügbaren Spuren gemeldet werden.“

Porträt Dr. Paul Rizzi

Dr. Paul Rizzi von crypto-schaden.at meint dazu:

„Nach der geschilderten Sachlage sprechen die vorgetäuschten Verdienstmöglichkeiten, Identitäten und Notlagen für den Verdacht auf Betrugsdelikte nach österreichischem Recht. Die zwischenzeitlichen Bonuszahlungen entkräften diesen Verdacht nicht und sollten bei der Dokumentation der Zahlungsflüsse vollständig offengelegt werden. Geschädigte sollten die bereits erstatteten Anzeigen durch Chatverläufe, Zahlungsbelege sowie bei Bargeldsendungen durch Versandnachweise und Empfangsadressen ergänzen. Bei Überweisungen sollten die betroffenen Banken rasch verständigt werden, damit mögliche Rückruf- und Sicherungsmaßnahmen geprüft werden können. Zivilrechtliche Schadenersatzansprüche gegen die Verantwortlichen und ein Anschluss als Privatbeteiligte im Strafverfahren kommen in Betracht.“

Warnsignale


  • Eine Online-Werbung verspricht Investmenterträge oder Bezahlung für einfache Social-Media-Aufgaben, verlangt aber zuerst eigene Überweisungen.
  • Kleine Bonuszahlungen schaffen Vertrauen, belegen jedoch keine seriöse Anlage oder Verdienstmöglichkeit.
  • Angebliche Finanzexperten veranlassen wiederholte Zahlungen auf unterschiedliche Konten.
  • Ein neuer Online-Kontakt fordert Geld für erfundene persönliche Notlagen oder eine Rückkehr nach Österreich.

Was Betroffene tun sollten


  • Keine weiteren Überweisungen oder Bargeldsendungen leisten und den Kontakt zu den unbekannten Personen beenden.
  • Die Bank über bereits erfolgte Überweisungen informieren und mögliche Rückrufmaßnahmen prüfen lassen.
  • Chats, Werbelinks, Zahlungs- und Bonusbelege sowie Nachweise über Bargeldsendungen sichern.
  • Die Unterlagen der Polizei für die Anzeigen und weitere Ermittlungen geordnet übergeben.

Quelle: steiermark.orf.at | Case-ID: 111