Es hätte jedem von uns passieren können. Ein 36-jähriger Mann aus dem Bezirk Spittal an der Drau scrollte durch eine Video-Plattform – so wie wir es täglich tun – als ihm eine Werbung ins Auge fiel: eine vermeintliche Investmentfirma aus Polen, die verlockende Renditen versprach. Was harmlos begann, endete in einem Albtraum. Über einen Link gelangte er in eine Messenger-Chatgruppe, in der scheinbar erfahrene Anleger Tipps austauschten. Dann meldete sich eine “persönliche Betreuerin” – freundlich, professionell, überzeugend. Sie empfahl ihm eine Trading-App, die mit Künstlicher Intelligenz Investmentchancen analysieren sollte. Die App wirkte modern, seriös – und sie zeigte ihm nach der ersten Einzahlung sofort Gewinne. Was er nicht wusste: Alles war gefälscht. Die Gewinne auf dem Bildschirm existierten nur als Zahlen in einer App, die eigens für diesen Betrug programmiert worden war. Ermutigt durch die scheinbaren Erfolge überwies er in vier Tranchen einen Gesamtbetrag von mehreren Zehntausend Euro – auf Konten in Polen, Litauen und Ungarn. Als er sein Geld zurückwollte, kam der Schock: Plötzlich waren da “Provisionsgebühren” und “Steuern”, die er erst bezahlen müsse. Erst in diesem Moment erkannte der 36-Jährige, dass er Opfer eines hochprofessionellen Betrugs geworden war. Er erstattete sofort Anzeige bei der Kriminalpolizei. Dieser Fall zeigt: Investmentbetrug trifft längst nicht nur ältere Menschen. Auch wer digital versiert ist und 36 Jahre alt, kann auf diese perfide Masche hereinfallen – wenn die Betrüger gut genug sind. Und sie werden immer besser.
Modus Operandi
- Werbung auf einer Online-Video-Plattform führte zu einer angeblich polnischen Investmentfirma
- Über einen Link wurde das Opfer in eine Messenger-Chatgruppe mit Investmenttipps gelotst
- Eine persönliche Betreuerin empfahl eine Fake-Trading-App mit angeblicher KI-Auswertung
- Nach ersten angezeigten Scheingewinnen überwies der Mann mehrere Tranchen auf Konten in Polen, Litauen und Ungarn
- Beim Auszahlungsversuch verlangten die Täter zusätzliche Provisionen und Steuern
Dr. Stephan Mauracher von crypto-schaden.at meint dazu:
„Die Trading-App war mit Sicherheit ein Fake-Frontend ohne echte Blockchain-Anbindung – der „Gewinn” existierte nur auf dem Bildschirm. Die SEPA-Überweisungen nach Polen, Litauen und Ungarn deuten auf ein Geldwäsche-Netzwerk hin, bei dem vermutlich Money Mules involviert sind. Kritischer Fehler: Installation einer nicht verifizierten App (Sideloading) ohne vorherige Due Diligence. Sofortmaßnahme: SEPA-Recall bei der eigenen Bank beauftragen (48h-Fenster!), Screenshots der App sichern, Messenger-Verläufe archivieren und bei der Cybercrime-Meldestelle anzeigen. Für künftige Fälle: Kein seriöser Broker verlangt je Vorab-Zahlungen für Steuern oder Gebühren – das ist ein 100%-Indikator für Betrug.”
Dr. Paul Rizzi von crypto-schaden.at meint dazu:
„Nach der geschilderten Sachlage kommt ein Betrugsdelikt in Betracht, da durch Vortäuschung einer KI-gestützten Handelsplattform und Scheingewinnen ein Vermögensschaden im mehrere Zehntausend Euro Bereich entstanden ist. Die nachträglichen Gebührenforderungen bei Auszahlungsversuchen sind typisch für diese Masche. Geschädigte sollten rasch Strafanzeige erstatten.”
Warnsignale
- Investmentwerbung mit unrealistisch professionellem Auftritt auf Social- oder Video-Plattformen
- Messenger-Gruppen, in denen angebliche Anleger Gewinne bestätigen
- Persönliche Betreuerinnen oder Betreuer, die Druck aufbauen und Apps empfehlen
- Trading-Apps außerhalb seriöser Anbieter oder ohne klare Regulierung
- Gebühren, Provisionen oder Steuern, die vor einer Auszahlung bezahlt werden sollen
Was Betroffene tun sollten
- Keine weiteren Zahlungen leisten und jeden Kontakt sofort abbrechen
- Bank kontaktieren und SEPA-Recall beziehungsweise Rückholversuche prüfen lassen
- Screenshots der App, Chatverläufe, Zahlungsbelege und Empfängerkonten sichern
- Anzeige bei der Polizei beziehungsweise Cybercrime-Meldestelle erstatten
- Wallet-Adressen, Transaktionsdaten und Geldflüsse forensisch prüfen lassen
Quelle: MeinBezirk.at | Case-ID: 11











