„Gehen Sie jetzt zur Polizei” – Wie ein Betrüger eine Seniorin bis zur Anzeige führte und dann verschwand

Der Anruf kam an einem ganz normalen Dienstagnachmittag. Eine 63-jährige Österreicherin nahm ab – und glaubte, mit einem Mitarbeiter ihrer Hausbank zu sprechen. Was sie nicht wusste: Auf der anderen Seite der Leitung saß ein Profi. Einer, der genau weiß, wie man Vertrauen aufbaut – und wie man es ausnützt. Der Unbekannte schilderte der Frau überzeugend, dass auf ihrem Konto verdächtige Aktivitäten festgestellt worden seien. Er kannte die richtigen Worte, den richtigen Ton. Und er hatte einen Plan. Der Frau wurde erklärt, sie könne die Überweisungen am Selbstbedienungsautomaten ihrer Bank selbst rückgängig machen. Sie solle dorthin gehen – und er würde sie durch alles führen. Die Seniorin vertraute dem Mann. Sie begab sich zur Bank und überwies auf seine Anweisung hin einen hohen vierstelligen Betrag auf zwei verschiedene österreichische Konten. Das Geld sollte bis Mittwochmittag zurück sein, versprach er. Doch dann kam das Absurdeste: Der Betrüger forderte die Frau auf, zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten. Dann war er weg – spurlos. Eine perfide psychologische Meisterleistung: Indem er selbst zur Anzeige aufrief, entzog er sich dem sofortigen Verdacht. Wer solch einen Anruf erhält: Sofort auflegen. Die echte Bankhotline – von der Rückseite der Karte – anrufen. Niemals Überweisungen auf telefonische Anweisung durchführen.

Modus Operandi

Dr. Stephan Mauracher von crypto-schaden.at meint dazu:

„** Perfide Vishing-Attacke mit psychologischem Kniff: Der Täter fordert das Opfer zur Anzeigenerstattung auf – das entwaffnet sofort jeden Verdacht und verschafft zeitlichen Vorsprung für die Geldverschiebung. Die zwei österreichischen Empfängerkonten sind klassische Mule-Accounts, vermutlich innerhalb von Stunden weitergeleitet (Kaskaden-Transfer). Technisch: Caller-ID-Spoofing (Bank-Rufnummer gefälscht), professionelles Social Engineering, wahrscheinlich Teil eines organisierten Netzwerks mit österreichischen Money-Mule-Rekrutierungen. Sofortmaßnahmen: Überweisungsdetails (IBAN, BIC, Zeitstempel, Betrag) sichern, Bank zur Rückholungsanfrage (SEPA Recall) auffordern, Polizei mit Kontodaten der Empfänger versorgen – dort sitzen die Schwachstellen im Täternetzwerk.”

Dr. Paul Rizzi von crypto-schaden.at meint dazu:

„Nach der geschilderten Sachlage spricht vieles für ein Betrugsdelikt, da durch Vortäuschung einer Hausbank-Identität und Manipulation zu Bargeldbehebungen Vermögensschäden herbeigeführt wurden. Die Behauptung, Geld könne am Automaten zurückgeholt werden, ist absurd. Geschädigte sollten unverzüglich Strafanzeige erstatten und die Bank informieren.”

Warnsignale

Was Betroffene tun sollten

Quelle: krone.at | Case-ID: 71