Goldbarren, Falschgeld, Flucht: Wie ein Wiener Brüderpaar bei einem Luxusdeal um 300.000 Euro gebracht wurde

15 Goldbarren, drei Kilogramm des Edelmetalls, 300.000 Euro — das war das Versprechen. Die Übergabe sollte gleichzeitig in zwei Städten stattfinden: die Ware in einem Hotel in Wiens Innenstadt, das Geld zeitgleich in Mailand. Was damals nach einem attraktiven Privatgeschäft aussah, entpuppte sich als präzise inszenierter Betrug. Die Methode hat einen Namen: "Rip-Deal". Dabei geben sich Täter — oft aus Familienclans des Westbalkanraums — als wohlhabende Geschäftsleute aus und initiieren scheinbar lukrative Deals mit Luxusgütern. Kurz vor der Übergabe werden die versprochenen Objekte durch Attrappen ersetzt, oder das Geld — wie im vorliegenden Fall — durch Falschgeld. Die auf solche Fälle spezialisierte "Rip-Deal Unit Vienna" ermittelte und identifizierte die zwei Brüder Luca und Giacomo Dragutinovic (29 und 32 Jahre). Die italienischen Behörden nahmen sie fest, entließen sie aber ungesichert in den Hausarrest. Als am 2. März 2026 ihre Auslieferung nach Österreich erfolgen sollte, waren sie weg. Die Staatsanwaltschaft Wien sucht nun europaweit nach den Männern und hat Fahndungsfotos veröffentlicht. Der Fall illustriert ein grundlegendes Problem bei grenzüberschreitender Kriminalität: Selbst nach der Aufklärung eines Falles können Täter dem Zugriff entkommen, wenn internationale Behördenkoordination lückenhaft bleibt.

Modus Operandi

Dr. Stephan Mauracher von crypto-schaden.at meint dazu:

„** Klassischer Rip-Deal mit parallel orchestrierten Übergaben zur Verschleierung — technisch anspruchsvoll koordiniert. Die Täter nutzen Falschgeld und Attrappen im letzten Moment (Swap-Technik). Interessant ist die grenzüberschreitende Dimension: Auslieferungsverfahren zwischen Italien und Österreich scheiterten durch Hausarrest-Flucht. Handlungsempfehlung für zukünftige Fälle: Nie Übergaben ohne unabhängige Verifizierung (z. B. Echtheitsprüfung durch Dritte vor Ort), niemals simultane Übergaben in verschiedenen Ländern akzeptieren. Die Rip-Deal Unit Vienna ist spezialisiert auf solche Fälle. Interpol- und Europol-Meldung ist bei internationaler Flucht zwingend.”

Dr. Paul Rizzi von crypto-schaden.at meint dazu:

„Nach der geschilderten Sachlage spricht vieles für einen Rip-Deal-Betrugsverdacht. Das Vortäuschen eines seriösen Goldgeschäfts, verbunden mit dem Austausch der versprochenen Ware durch wertlose Gegenstände und Falschgeld, erfüllt typischerweise die Tatbestandsmerkmale. Die grenzüberschreitende Dimension erschwert die Rechtsdurchsetzung erheblich. Geschädigte sollten unverzüglich Strafanzeige erstatten und sämtliche Nachweise über Kommunikation und Transaktionen sichern.”

Warnsignale

Was Betroffene tun sollten

Quelle: meinbezirk.at | Case-ID: 76