Falsche Liebe, echter Schaden: Wie ein „UN-Arzt” aus dem Jemen eine Österreicherin um ihr Erspartes brachte

Es begann mit einer Freundschaftsanfrage auf Facebook. Der Mann stellte sich als amerikanischer Arzt vor, der für die Vereinten Nationen im Jemen im Einsatz war. Er schrieb täglich, schickte Fotos, schwor ewige Zuneigung. Für eine Waldviertlerin war diese digitale Bekanntschaft über Monate hinweg real und bedeutsam. Dann kamen die Bitten. Erst um Hilfe für einen Flug, weil er endlich "aus dem Kriegsgebiet entkommen" wollte. Dann Bestechungsgelder, um bürokratische Hürden zu überwinden. Dann Geld für seine Kinder, die in Not waren. Sie überwies, kaufte Steam-Karten — immer wieder, über Monate, über Jahre. Dieser Fall aus dem Bezirk Zwettl dokumentiert, wie präzise die Tätergruppen arbeiten: Sie wählen Berufe mit hohem Ansehen, konstruieren emotionale Abhängigkeit über lange Zeiträume und nutzen Mitleid als Werkzeug. Die Masche ist als "Romance Scamming" bekannt und wird oft von international organisierten Gruppen betrieben. Das Bezirkspolizeikommando Zwettl hat den Fall zur Warnung veröffentlicht. Die Kriminalpolizei betont: Wer online um Geld gebeten wird — egal wie vertrauenswürdig die Person wirkt — sollte vor jeder Zahlung Rücksprache mit Vertrauenspersonen oder der Polizei halten.

Modus Operandi

Dr. Stephan Mauracher von crypto-schaden.at meint dazu:

„** Klassisches Romance-Scam-Muster mit technischer Social-Engineering-Komponente: Die Täter nutzen Facebook als Erstkontakt-Vektor und WhatsApp für die Bindungsphase. Steam-Karten dienen als anonymes, nicht rückverfolgbares Zahlungsmittel. Die amerikanische Telefonnummer ist höchstwahrscheinlich gespooft (VoIP-Dienste). Handlungsempfehlung: Alle WhatsApp-Kommunikationsdaten (inkl. Telefonnummer, Profilbilder, Screenshots) dokumentieren und an die Polizei übergeben. Falls Banküberweisungen getätigt wurden, sofort IBAN und Empfängerdaten sichern und bei der Bank Betrugsfall melden.”

Dr. Paul Rizzi von crypto-schaden.at meint dazu:

„Nach der geschilderten Sachlage spricht vieles für ein Betrugsdelikt. Das systematische Vortäuschen emotionaler Bindung über längere Zeit (Romance Scam) zur Erlangung von Vermögensleistungen erfüllt typischerweise die Tatbestandsmerkmale der Täuschung und vermögensmindernden Disposition. Geschädigte sollten unverzüglich Strafanzeige erstatten, sämtliche Kommunikationsdaten sichern und rasch mögliche Sperr- und Sicherungsmaßnahmen veranlassen.”

Warnsignale

Was Betroffene tun sollten

Quelle: meinbezirk.at | Case-ID: 73