Zwei Jahre lang getäuscht: 83-Jähriger aus Klagenfurt verliert hunderttausende Euro an Krypto-Betrüger

Zwei Jahre lang hat ein 83-jähriger Mann aus Klagenfurt an seinen Gewinn geglaubt. Zwei Jahre lang hat er bezahlt – immer wieder, immer neue "Freischaltgebühren", immer neue Versprechen. Insgesamt über 87 Mal hat er Geld auf ausländische Konten überwiesen, in der Hoffnung, endlich seine Krypto-Gewinne ausgezahlt zu bekommen. Erst im März 2026, als wieder Geld abgebucht wurde ohne jede Gegenbewegung, riss der Geduldsfaden – und er erstattete Anzeige. Der Schaden: ein niedriger sechsstelliger Eurobetrag. Der Fall des Klagenfurters zeigt auf erschütternde Weise, wie raffiniert sogenannte "Pig-Butchering"-Betrügereien funktionieren: Die Opfer werden über Monate, manchmal Jahre hinweg bei der Stange gehalten. Jede Zahlung schafft neue Hoffnung, jede neue Hoffnung macht eine weitere Zahlung leichter. Für Menschen, die ihr Leben lang gespart haben, ist der Verlust verheerend – finanziell und emotional. Die Kriminalpolizei Kärnten ermittelt. Ihr Appell: Sprechen Sie mit Ihren Eltern und Großeltern. Diese Betrugsmaschen sind real und sie treffen die Klügsten unter uns.

Modus Operandi

Dr. Stephan Mauracher von crypto-schaden.at meint dazu:

„Klassischer Pig-Butchering-Fall mit extremer zeitlicher Ausdehnung (2 Jahre, 87 Transaktionen) – die Täter haben das Opfer durch kontinuierliche Mikro-Eskalationen in der Zahlungsbereitschaft konditioniert, bis die Summe sechsstellig wurde. Die Verteilung auf 87 verschiedene Auslandskonten deutet auf ein industrialisiertes Money-Mule-Netzwerk hin, wahrscheinlich mit automatisierter Weiterleitung über Krypto-Börsen. Die gefälschte Handelsplattform zeigt typische Scam-Architektur: Frontend suggeriert Gewinne, Backend kassiert nur. Sofortmaßnahmen: Alle 87 Empfängerkonten den Behörden melden (Freezing Orders möglich), Screenshots der Plattform sichern, alle Kommunikationsverläufe dokumentieren. Die lange Dauer macht nachträgliche Wallet-Traces schwierig, aber VASP-Anfragen bei den empfangenden Börsen sind der beste Hebel.”

Dr. Paul Rizzi von crypto-schaden.at meint dazu:

„Nach der geschilderten Sachlage kommt ein schwerwiegender Betrugsverdacht in Betracht, da durch Vortäuschung einer Krypto-Plattform und wiederkehrender Vorschussforderungen über zwei Jahre hinweg ein erheblicher Vermögensschaden entstanden ist. Die Systematik von 87 Überweisungen zeigt die perfide Ausbeutung des Opfers. Geschädigte sollten rasch Strafanzeige erstatten.”

Warnsignale

Was Betroffene tun sollten

Quelle: MeinBezirk Klagenfurt | Case-ID: 53